Dachgeschosskino: „Django Unchained“ (2012)

8 Aug

Mit Beamer von mir, Wurstsalat von Mr.J und Hitzewelle von Cornelia (das Hochdruckgebiet) gab’s im Improv-Kino auf der Wohnzimmerwand bei MHH:

„Django Unchained“ (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1853728/

Lang aber nicht langatmig präsentiert Mr. Tarantino seine Idee von Kino. Christoph Waltz spielt „seinen Typ“ von zynisch-distanzierter Hyperkompetenz wie auch schon in „Inglorious Bastards“, nur diesmal auf der Seite der „Guten“, und Titanic-Eiswürfel DiCaprio gibt mit viel Spaß an der Fiesigkeit den Bösewicht. Foxx macht Django, und Samuel L. Jackson … tja, auch mal eine interessante und ungewohnte Rolle. Vorsichtig formuliert.

Als Lehrstück über die Geschichte der Sklaverei oder humanistische Kunst zur Besserung des Menschen eignet sich die Krawallgeschichte natürlich nur bedingt. Oder besser überhaupt nicht. Als reines Kino geht’s fast drei Stunden druckvoll und frontal zur Sache. Und das darf man ruhig wörtlich verstehen, denn obwohl der BR-Player auf „Nachtprogramm“ und „Audio-Limit“ eingestellt war, ist die Dynamik zwischen fies-geschliffenem Dialog und Detonation für die Heimwiedergabe schon fast zu dreist. Man sollte entweder mit Kopfhörer oder der Hand am Regler konsumieren, oder es ist einem egal ob’s die Nachbarn vom Fussboden prellt wenn mitten im Gespräch das nächste Bleigewitter aufzieht.

Da, wo andere Regisseure vielleicht mal wegschwenken oder einen abschließenden Schuss im Off geschehen lassen, gilt bei unser aller Zitatekönig stattdessen die Devise, „wozu hören, wenn man sehen kann?“ Vorzugsweise noch mit einem oder zwei Liter Kunstblut plus Innereienspringbrunnen oben drauf. Erstaunlich, was heutzutage als „ab 16“ durchgeht. Ich werd’ alt. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass der Film richtig gut abgeht, richtig saubere Kinematografie liefert und mir trotzdem das diffuse Gefühl hinterließ, als ob ich mir das Hirn irgendwie angeschmuddelt habe. Durchgestylte Racheorgie bleibt eben trotzdem Racheorgie, und Tarantinos Sadismus-Level ist nicht so mein Ding.

Wie gesagt, irgendwie richtig gut und richtig fies auf einmal. Das ist ziemlich sicher auch eine Leistung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

3 × zwei =