Station, du Pack!

21 Jun

Kennt ihr das? Da bestellt man sich was per Internet, und irgendwie muss das ja auch geliefert werden. Es gibt da jetzt „seit neuestem“ (na gut, sind schon ein paar Jährchen) diese gelben Kästen mit den vielen Postfächern drauf. Nennt sich „Packstation“ und ist von DHL. Nachdem die einsamen Dinger Tag und Nacht bei Hitze und Kälte draußen stehen, werden sie wohl hungrig sein.

Bis auf die eine, die ich meine. Denn die frisst Pakete. Nicht häufig, aber (hier Kraftausdruck einfügen) noch mal, lieber Zustelldienst, was sollte das denn?

Und wenn sich jetzt die Leserin fragt, was was sollte, dann folgt hier zur Erbauung, Verbreitung und Warnung über die Tücken moderner EDV-gestützter Materialverteilung in erschreckender Ausführlichkeit:

Ja pack’ ich’s noch, Station?

Eine Geschichte, die das Leben schreibt.

Es begann vor langer, langer Zeit, nämlich am 8. Juni (Samstag), dass ich bei Versandhändler … nennen wir ihn mal „P.“ … ein paar Artikel eräugte, die mein Wohlwollen (und Haben-wollen) fanden. Anklicken, anmelden, anfordern. Hach, das Internet. Fast wie Zauberei.

Nach ein paar Tagen mit den üblichen „haben wir bekommen … haben wir ins Lager“-Mails dann endlich (es ist jetzt abends am Dienstag, der 11. Juni): „Ihre Bestellung hat unser Lager verlassen. Die Tracking-Nummer lautet X.“

Nun, das ist ja schön. Da freuen wir uns doch alle. Noch zwei, drei Tage, dann macht das Händi „Bing“ (nicht die Suchmaschine) und die gelbe Kiste spuckt, wie ein Geldautomat für braune Kartons, nach Eingabe von goldener Karte und mTan … braune Kartons.

(dumpfes Trommeln) Dachte ich.

So was aber auch. Bei einem anderen (völlig anderen) Online-Händler, nennen wir ihn „W.“, fand ich am 10. Juni (Montag) noch einige weitere Artikel. Und am 12. Juni (Mittwoch) kam auch von dort die Versandbestätigung. Na dann kann’s ja bald ans Auspacken gehen.

Doch es passiert nichts. Na gut, beim Online-Tracking von DHL kann ich zusehen, wie beide Pakete Stationenhüpfen spielen. Eingangslager Irgendwo, Ausgangslager Feucht bei Nümbäch, dann endlich, es ist der 13. Juni, Donnerstag, morgens um 8:07 Uhr: „auf dem Weg zur Packstation“. Alle beide, von P. und W. Und ich so: „Yäääii!“.

Es wird Samstag, 15. Juni. Das Online-Tracking sagt: „Feucht, 13.06., 8:07 Uhr: auf dem Weg zur Packstation.“. Und ich so: „Ääääh?“ Boah, ganz schön lange Strecke, das. Aber hey, ’s ist Flutkatastrophe (sagt auch die Tracking-Seite von DHL, in Rot, oben drüber), deswegen kann’s länger dauern. Oder das Lager ist beschäftigt. Oder die Päckchen sind vom Band gefallen in der Sortiermaschine. Wer weiß denn schon um die geheimnisvollen Wege der Postzustellung. 

Bildschirmfoto-2013-06-21-um-21.40

Donnerstag, 20. Juni. Das Online-Tracking sagt: „Feucht, 13.06., 8:07 Uhr: auf dem Weg zur Packstation.“. Okay, jetzt reicht’s. „Kann wegen Flutmalheur länger dauern“ am Podex. Wenn der Gelbe Gigant nicht gerade mit dem LKW mit meinen zwei Päckchen drauf einen Damm stopfen musste, dann sollte jetzt mal der Service in die Puschen kommen. Und selbst wenn nur die zwei braunen Pappkartons alleine das nächste Jahrhunderthochwasser verhindert haben, dann würd’ ich das gerne im Status lesen. Wie wohl das Icon dafür aussähe? Egal. Paketnachforschung ist Absender-Sache, also tackere ich zwei Mails mit dem ungefähren Wortlaut von „teh DHL iz eatin my parzels!“ an P und W in die Tastatur.

Immer noch Donnerstag, 20. Juni. Erfreulich schnell kommt die erste Antwort. Firma W. hat offenbar auch einen kurzen Blick auf das Tracking („auf dem Weg zur Packstation“ seit 7 Tagen) geworfen und sagt „boah, das tut uns leid, hier hassu gleich mal Ersatzlieferung“. Das ist doch mal Kundenservice.

Freitag, 21. Juni, 13:52 Uhr. Firma P. hat etwas länger gebraucht, aber ein Tag ist echt gut genug. Freundliches Mail, "kam nicht an und nicht zurück, verschollen ist das Postpackstück“, verbunden mit der Bitte um Geduld, und dem Hinweis, dass die DHL-Nachforschung auch schon mal gut und gerne einen Monat dauern kann. Ach. Na ja, das ist ja nur grob 4x so lange wie die Lieferung jetzt schon versackt ist.

Unvermeidlich treibt die Geschichte auf ihren Höhepunkt zu. Werden die Pakete ankommen? Wird nochmal was passieren?

Freitag, 21. Juni, 16 Uhr 06.

Eine unerwartete Wendung, mit der nicht mehr zu rechnen war. Die Email-Inbox macht „Bing“ (nicht die Suchmaschine).

Momente später: auch die SMS-Inbox macht „Bing“ (nicht die Suchmaschine).

Es ist soweit! Nach all den Jahren!“. Erstmal ganz gemütlich das aktuelle PHP-Skript zu Ende coden und testen, nicht dass mich nach ein paar Wochen ein fieser Bug rückwärtig erwischt, wie’s am Mittwoch der Fall war. Dann ins Auto (boah, schon wieder ganz schön warm heute) und ab zur gelben Shoppingglücksbox.

Es ist 18 Uhr 6 Minuten. Karte ’rein, mTan ’rein, falsch. Wie jetzt? Das sind vier Zahlen, du Nasenkiste. Zweiter Anlauf. mTan falsch. Nee, echt jetzt? Ist vielleicht die englische Tastenbelegung. Kann ja sein. Nochmal von vorne. Vier lächerliche Zahlen. Das schaffst du! Klick. Klick. Klick. Klick. Tröööt. Konto … gesperrt? Was geht denn jetzt ab?

Glücklicherweise gibt’s eine Telefonnummer. Steht rechts oben am Bildschirm. Vorwahl irgendwas mit 0228. Natürlich nicht kostenfrei, wo kämen wir denn da hin. Irgendwo in Bonn sitzt jetzt ein Telefonmuckel, der freundlich die Grundlagen mit mir nochmal durchgeht: „Haben Sie auch die richtige Nummer eingegeben? Weil manchmal haben nämlich die Tasten so Wackelkontakt, weil die Leute so drauf ’rumwursten.“ Ach. „Ich hab’ halt dicke Finger“ oder was? Euere gelbe Gefahr hat mir grad mein Paketkonto zugebrettert, und meine Finger sind schuld dran? Ich geb’ jeden Tag Hunderte von Nummern ein, seitdem ich meine Wehrpflicht mit dem elektronischen Anfordern von Ersatzteilen für Panzerelektrik verbracht habe. Erzähl’ mir nix. Zumindest ist die Sperrung mit einer nur wenige Sekunden später eintreffenden SMS wieder aufgehoben. Dank des Wunders von Android und dem neuen Händi, welches ich noch gar nicht erwähnt habe, kann ich gleichzeitig telefonieren und Tracking-Nummern aus meinen Mails ablesen. Der freundliche Herr von DHL erklärt mir, dass da leider nix für mich in der Station liegt, weswegen ich ja gar keine SMS bekommen haben kann. Daher also die Sperrung. Okaaaay.

Licht kommt ins Dunkel. Das Licht im Dunkel enthüllt jetzt zwar Abgründe, aber egal. Knowledge is power oder so. Folgendes hat sich zugetragen, Dr. Watson (man beachte die umgekehrte chronologische Reihenfolge):

  • Heute, 21. Juni, 18 Uhr: Ich stehe vor der Packstation und hau’ mich metaphorisch auf’s Maul.
  • Heute, 21. Juni, 16 Uhr: Das DHL-System verschickt Hoffnung, SMS und Mail und sagt mir, meine Pakete sind in der Station.
  • Heute, 21. Juni, 12 Uhr: Ein DHL-Mitarbeiter entnimmt meine Pakete weil ich sie seit 9 Tagen nicht abgeholt habe. Und die Packstation überquillt. Und weil (Gedächtniszitat) „die Leute ja auch Feierabend machen wollen am Freitag.“ Zur Erinnerung: „Sie haben 10 Tage Zeit, um Ihre Lieferung abzuholen.“ Von der ich nix weiß. Weil erst in vier Stunden eine SMS eintreffen wird.
  • Vor 9 Tagen, 13. Juni, 13 Uhr 15: Meine Pakete werden in die Packstation gelegt. Die Packstation verzichtet dummerweise darauf, das irgend jemanden zu sagen. Schon gar nicht ihrem eigenen Tracking-System. Warum? Wer weiß. Aber der Untertitel von „Terminator III“ hieß damals schon „Aufstand der Maschinen.“ Ich sag’ ja nur.

Bildschirmfoto-2013-06-21-um-18.58

Der Zwischenstand zur Halbzeit: 2:0 für die Packstation.

Dass heute (21. Juni) das Tracking-System von DHL auf einmal sagt: „13. Juni: Ihre Lieferung steht in der Packstation bereit.“ — geschenkt. Das war ja nicht anders zu erwarten, dass das fiese Stück Silizium jetzt versucht, seine Spuren zu verwischen. Aber ich habe das PDF vom 20. Juni mit dem Gegenbeweis! (manisches Lachen)

Jedenfalls hab’ ich jetzt P. und W. auch informiert über die neue Entwicklung, und beim Mutterschiff (paket ät de ha el de ee) ist auch ein Ticket anhängig.

Eine Paketmarke als Entschädigung wurde mir in Aussicht gestellt. Das ist toll. Leider hatte ich in den letzten Jahren nie irgendwelche Pakete zu verschicken. Das ist weniger toll.

Praktisch bekommen jetzt die zwei Lieferanten meine Bestellungen zurück mit dem Vermerk „nicht abgeholt“ oder was auch immer DHL in so einem Fall meldet. Na super, da hab’ ich ja dann eine Spitzenwertung in meinem Datenstamm. „Zu doof zum Abholen“. Danke. Und was ist mit den doppelten Versandkosten? Wer übernimmt die?

Was lernen wir daraus?

Wenn auf der letzten Meile der Tracking-Status sich drei Tage nicht mehr bewegt, sofort ans Telefon.

Und was das Verschollen-gehen von Tracking-Infos angeht, bin ich nicht alleine … gleicher Ort, gleiche Station.

Update: Freitag, 21. Juni, 21 Uhr 15

„Bing“ (immer noch nicht die Suchmaschine) macht das Händi, und zwei SMS teilen mir mit, dass meine Lieferung(en) in der nächsten Postfiliale noch sieben weitere Tage zur Abholung bereit liegen. Das schenkt doch wieder Hoffnung, dass irgendwie, irgendwo, irgendwann diese Saga ihren Abschluss findet … auch wenn sich wieder diese neue Info nicht zum Online-Tracking herumgesprochen hat. Ach.

Update 2: Samstag, 11 Uhr 02

Mit dem freudigen Gesichtsausdruck eines Menschen, der anderer Leute Fehler ausbügelnd darf und deswegen seit der Filialöffnung um 9 Uhr den Kunden die Pakete aushändigt, die aus der jetzt entleerten defekten Station in die Filiale geschafft wurden und die das System widerwillig oder gar nicht kennt, welche aber real in seinem Lager vorhanden sind, übergibt mir der Postbeamte die beiden Pakete. Eine Odyssee findet ihr Ende.

2 Replies to “Station, du Pack!

  1. hey, das ist ja mal ein online-Kabarett-Stammtischabend. Wow!
    Eine Odyssee, das hört sich ja zum Haare ausraufen an. Zum Glück hab ich nicht mehr viele.
    Wenn sich mal ein Paket zu meiner Wohnung verirrt, in der ich nie zur Eintreff-Zeit des Postboten bin, muss ich zur Postfiliale. Dort sagt man mir immer "darf ich Sie zur Packstation anmelden?" worauf ich immer dankend ablehne. Denn ich hab mich mal angemeldet, aber der Brief kam nicht an. Hat mir gleich den Spaß verdorben, jetzt lasse ich meine Weihnachtsgeschenke halt immer in die Firma liefern.

    -R

    • Wobei, der Fairness halber: Die Packstation hat die letzten Jahre völlig korrekte Dienste geleistet, das war das erste Mal. Die heutige Lieferung aus zwei Paketen wurde ganz korrekt angekündigt und abgegeben. Und Softwareprobleme kennen wir ja alle in der einen oder anderen Form ...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

1 + sechzehn =